Auf Reisen Minimalismus

House-Sitting: Kostenfrei wohnen für Tierfreunde auf Reisen

House-Sitting kostenfrei wohnen auf Reisen

Mit wenig Geld unterwegs zu sein – dafür gibt es viele Möglichkeiten.

Letztes Jahr habe ich mit einigem experimentiert. Unter den vielen Möglichkeiten, kostenfrei zu wohnen, hat sich das House-Sitting als meine absolute Lieblings-Möglichkeit herauskristallisiert.

Warum House-Sitting?

Es passt einfach zu mir. Erstens liebe ich Tiere. Ich wollte immer mit Katzen leben, und hatte mir diesen Wunsch versagt, weil ich seit eh und je zuviel unterwegs bin. Zweitens brauche ich viel Zeit und Raum für mich. Ich bin gern unter Menschen, aber ab einem gewissen Punkt lenkt es mich zu sehr ab von den Dingen, die ich eigentlich tun möchte. Drittens ist es eine Win-Win-Win-Situation für alle Beteiligten – Haustierbesitzer, Haustiere und Haustierhüter. Und so was liebe ich einfach: wenn alle davon nur Vorteile haben.

Wie funktioniert es?

Das Prinzip von Housesitting ist denkbar einfach: Menschen in aller Welt fahren in den Urlaub oder sind beruflich unterwegs. Ihre Haustiere können sie nicht mitnehmen. Hier kommt der Haussitter ins Spiel: er wohnt während ihrer Abwesenheit in ihrem Haus oder Wohnung und kümmert sich um die Haustiere, seien es Katzen, Hunde, Hamster oder Zebrafischen. Kostenfreies Wohnen in aller Welt gegen liebevolle Haustier-Pflege.

Für die Haustierbesitzer und die Haustiere ist das nur gut: ansonsten müssten sie ihre Lieblinge wegbringen, in eine Hundepension oder dergleichen. Oder es käme ein, zwei Mal am Tag ein Nachbar vorbei, dem man dann einen Gefallen schuldet. Und das Kuscheln und Spielen kommt viel zu kurz.

So aber ist allen geholfen: Auch für uns reisende Tierhaber ist es fantastisch, denn wir können unterwegs sein und müssen trotzdem nicht auf Haustiere verzichten! Natürlich ist es auch schön, eine kostenlose Unterkunft zu haben. Das kann eine einfache Einzimmer-Wohnung sein, aber auch die Villa am Strand.

Meine Erfahrungen mit House-Sitting

Ich stehe erst am Anfang meiner Haussitter-Karriere, möchte dies aber im kommenden Jahr auf jeden Fall weiter ausbauen.

Bis jetzt habe ich:

  • 2 Wochen ein Herz von einer Hundeseele gehütet, ein Golden Redriver in einem charmanten Landhaus am Ammersee. Ausgiebige Waldspaziergänge inbegriffen, die Alpen in Sichtweite
  • Zweimal mit zwei verkuschelten Katzen eine kuschelige Wohnung in Berlin geteilt, mit Garten und viele Ruhe inmitten der Stadt. Insgesamt 3 Wochen, bald sehe ich die zwei zum dritten Mal
  • Ein Angebot, eine Herde Schafe samt kleinen Bauernhof zu hüten habe ich ausgeschlagen, weil ich Wichtigeres zu tun hatte. Das bedauere ich bis heute!
  • Gerade verbringe ich mehr als einen Monat in einem tollem Haus auf dem Land in Meeresnähe, der freundliche Kater ShangriLa ist mein Hausgenosse. (Anmerkung: diesen Artikel hatte ich Ende Januar geschrieben)

Ja, ShangriLa und ich haben es sehr gut hier! Den gesamten Januar habe ich hier verbracht, langsam neigt sich unsere gemeinsame Zeit dem Ende zu. Zum Glück warten bereits die nächsten zwei Mietzen auf mich, sonst wäre ich sehr traurig. Das Leben ohne Katzen ist einfach halb so schön!

Natürlich bringe ich eine Menge Erfahrung mit Haustieren mit, und das ist wichtig! Als Kind habe ich meine Eltern solange bearbeitet, bis sie mir erst Wüstenrennmäuse und später eine Katze erlaubt haben. Ansonsten habe ich mich so ziemlich mit jedem Tier befreundet, welches mir über dem Weg lief, seien es Nachbars Kater oder die Kaninchen der besten Freundin.

Wenn Du über House-Sitting nachdenkst, dann solltest Du Tiere über alles lieben und Erfahrung für das entsprechende Tier mitbringen. Ansonsten lass es bleiben! Bitte. Lass es einfach. Davon abgesehen, dass so was nicht zu verantworten ist (Mieze braucht eben mehr, als jemand, der ihr das Futter hinstellt!), wird es sich sehr schnell herumsprechen, und das wars dann mit Deiner Housesitting-Karriere.

Falls Du kein Tierliebhaber bist, könntest Du trotzdem an einen Haussitter-Job kommen. In einigen Fällen geht es nur darum, die Blumen zu gießen und den Briefkasten zu leeren. Vielen Menschen ist es wohler, wenn ihr Zuhause bewohnt wird, denn in solche Wohnungen oder Häuser wird tatsächlich seltener eingebrochen.

Wie finde ich House-Sitting-Möglichkeiten?

Ich habe meine alle durch Freunde und Freunde von Freunden gefunden. Da ist natürlich von Anfang an eine ganz andere Vertrauensbasis da, man kennt sich schon oder lernt sich vorab kennen. Es spricht sich herum, und schon kommen die nächsten Anfragen. Also einfach mal die eigenen Ambitionen als Haussitter kundtun und dann Augen und Ohren offen halten!

Die zweite Möglichkeit ist das Internet mit seinen unbegrenzten Möglichkeiten. Hier kann man in wirklich jedem Winkel der Welt etwas Passendes finden- vom Bauernhof in Bulgarien bis zur Luxusvilla mit Pool im Dschungel Panamas. Vom Schoßhund bis zur Herde Pferde ist alles vertreten.

Sämtliche Plattformen nehme eine jährliche Gebühr. Die am besten besuchte Plattform, www.trustedhousesitters.com, ist leider auch die teuerste: 99 Euro im Jahr. Allerdings sollte sich das rasch lohnen, nimmst Du diese Möglichkeit ein paar Mal in Anspruch.

Ansonsten gibt es noch:

www.mindmyhouse.com

www.nomador.com

www.housecarers.com

www.luxuryhousesitting.com

Bei diesen Plattformen kannst Du Dich also anmelden, dann legst Du ein Profil von Dir an. Gib Dir Mühe dabei! Je mehr Du Dich zeigst, um so eher kannst Du das Vertrauen der Haustierbesitzer erlangen. Die ersten Jobs können schwierig zu bekommen sein. Du bekommst eine Bewertung durch den Gastgeber und sobald Du erste positive Bewertungen eingesammelt hast, wird es leichter.

Beim Verband deutscher Haushüter Agenturen e.V. kann man sogar einen geringen Betrag Geld verdienen, allerdings scheinen die auf Rentner fixiert zu sein. Auf meine Anfrage, ob ich trotzdem mitmachen kann, habe ich bis heute keine Antwort erhalten.

Mit diesen Infos und gesundem Menschenverstand ausgestattet, sollte es eigentlich klappen mit Deinem ersten House-Sit!


Kostenfrei wohnen auf Reisen - Sebastian erklärt, wie es geht

Kostenfrei wohnen auf Reisen – die besten Tipps

Wenn Du Dich noch ausgiebiger über das Thema informieren willst, kannst Du Dir das Buch von Sebastian Canaves holen: Hund, Katze, Haus: als Haussitter günstig um die Welt! Der bekannte Reiseblogger (Off the Path) geht auf wirklich alle Aspekte ein.  Zum Beispiel verrät er, wie Du Dich mit kleinen Videos den Gastgebern vorstellst, um Dich positiv von den Mitbewerbern abzuheben. So kann absolut nichts mehr schief gehen.

 

 


So, das wars es für heute von meiner Seite. Denn ich habe noch zu tun:

Nun genieße ich noch die letzten Tage mit Kater ShangriLa! Ich befinde mich in einem freistehenden Landhaus mit allen was ich mir so wünschen könnte. Vermutlich habe mich noch nie in einem so gemütlichem Haus befunden, der Kuschelfaktor ist sehr hoch und ich entdecke täglich noch irgendetwas Schönes in meinem Umfeld. Beim Blick aus dem Wohnzimmer (eigentlich mehr als Wintergarten zu bezeichnen) sehe ich eine sanfte hügelige Landschaft, Wiesen und Bäume, am Horizont der Wald und das nächste Dorf. Einsamkeit kommt trotzdem nicht auf, denn Hannah und Richard haben mich ihrem gesamten Netztwerk vorgestellt, und so bekam ich auch schon lieben Besuch und wurde zum Einkaufen in die Stadt mitgenommen. Das Highlight: mein nächster Nachbar ist die absolute Schlagzeug-Koryphäe der Region! Als aufstrebende Straßenmusikerin natürlich perfekt für mich. So durfte ich auch schon beim Bandfrühstück und den Proben dabei sein und den Gesprächen lauschen. Das ist sehr aufschlußreich, doch manchmal hört es sich in meinen Ohren so an: „Dann spiele ich die Moll-Tonleiter aus dem Paralleluniversum, während Du im Part B per Running Bass die Sub-Devote spielst….“ Hahaha. Ich glaube, ich sollte mich noch ein bisschen mehr mit Musiktheorie beschäftigen. So vertreibe ich mir die Zeit, bis Hannah und Richard aus dem Urlaub zurückkommen. Sie haben mich eingeladen, noch einige Tage zu Besuch zu bleiben, und nach der langen Phase der relativen Zurückgezogenheit freue ich mich nun auch auf ihr Wiederkommen.


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2 Comments

  1. Danke für den tollen Bericht und die Tipps. Ich bin bisher viel gecouchsurft, würde jetzt aber lieber ohne tägliche Smalltalkverpflichtung Reisen. Da bietet sich Housesitting natürlich an. Vor allem, weil wir in unserer kleinen Großstadtwohnung keinen Hund halten können und doch alle so tierverliebt sind. Ich fühle mich inspiriert. 😉

    • Marcella

      Liebe Josi, ja das kann ich voll gut verstehen. Ich war letztes Jahr viel in Gemeinschaften unterwegs oder couchsurfen, und das ist auch toll. Jedoch habe ich immer wieder gemerkt, dass mir wichtige Dinge zu kurz kommen: Musik machen, der Blog und so weiter… darum werde ich mich dieses Jahr mehr aufs Housesitting konzentrieren. Liebe Grüße und ich drücke die Daumen, dass es hoffentlich bald klappt mit dem ersten Hundesitter-Job 🙂

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